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Egypt and the Swiss Textile Machinery Industry

Hallo da draussen!

Dies ist mein erster Blog. Mein Ziel ist einfach: Einige meiner Gedanken und/oder Erfahrungen zu teilen. Ich hoffe, dass Sie einige davon interessant finden und – noch besser – dass Sie Ihre Gedanken hinzufügen, damit wir einen Dialog initiieren können. Ich plane, mich auf wirtschaftliche Themen, Chancen und die positive Seite der Dinge zu konzentrieren. Meine Gedanken können natürlich nur Momentaufnahmen und werden nie vollständig sein – Blogs sollten ja kurz sein, oder? Und keineswegs erhebe ich den Anspruch, dass meine Gedanken oder meine Sicht der Dinge “die einzige Wahrheit” sind. Aber was auch immer es wert ist, es sind meine Gedanken.

Der Grund für meinen ersten Blog: Ich bin gerade vom Swiss Textile Machine Symposium 2017 in Kairo zurückgekehrt. Als Mandat hatte ich das Privileg, die Maag Brothers Machine Works Ltd, zu vertreten, einen Boutique-Hersteller von hochmodernen, massgeschneiderten Warenschau, Lege- und Kantendruck-Maschinen aus Zürich.

In gewisser Weise war dies sogar eine recht vertraute Tätigkeit. Während der letzten sechs Jahre als ehemaliger Leiter von Europa, Afrika und Zentralasien für die Schweizer Export- und Investitionsförderungsagentur Switzerland Global Enterprise (S-GE), war ich gewohnt, ausgiebig in meiner riesigen Region zu reisen. Und ich hatte die grossartige Aufgabe, mit meinem Team in 13 Ländern die gesamte Schweizer Wirtschaft und all ihre wichtigen Sektoren (z.B. Life Science, Food, ICT, Luxusgüter, Cleantech, Maschinen etc.) zu unterstützen.

Unsere Aufgabe bei S-GE war so einfach wie wichtig: Die Schweizer Exportindustrie beim Zugang zu neuen Märkten zu unterstützen und ausländische Unternehmen zu finden, die Interesse haben, in der Schweiz zu investieren. Da wir über hundert Länder abdecken und die gesamte Schweizer Wirtschaft in allen wichtigen Sektoren (z. B. Life Science, Maschinen, Nahrungsmittel, ICT, Luxusgüter, Cleantech, Infrastruktur usw.) unterstützen, kann man sagen, dass ich einen sehr abwechslungsreichen Job hatte.

Mein erster Blog hätte also z.B. über eine der über 150 Investorenförderungsveranstaltungen berichten können, die wir in vielen Ländern Europas organisiert haben. Oder über eine Swissrail-Fact-Finding-Mission nach Russland, eine Cleantech-Delegation nach Deutschland, unseren jährlichen Schweizer Pavillon am Mobile World Congress in Barcelona, eine kantonale Delegation nach Südafrika, eine Exportförderungsveranstaltung in der Schweizer Botschaft in Paris, unsere Aktivitäten an den Olympischen Spielen in London oder an der Weltausstellung 2015 in Mailand, oder über unsere Büroeröffnungen in Astana, Lagos, Istanbul, Stockholm, und, und, und… Tolle Erinnerungen! Aber jetzt geht es in meinem ersten Blog um Ägypten und die Schweizer Textilmaschinenindustrie. Und warum auch nicht?

Um auf meinen Auftrag zurückzukommen: Ich hatte ein paar wenige Kenntnisse über das Textilmaschinengeschäft, aber in Anbetracht der Tatsache, dass dies mein erster beruflicher Besuch in Ägypten war, war diese Aufgabe eine ziemliche Herausforderung. Das Symposium wurde vom Team von Swissmem, dem Schweizer Industrieverband, der unsere wichtige mechanische und elektrische Maschinenindustrie vertritt, und ihren ägyptischen Partnern von Nobletex, dem grössten Textilmaschinenvertreter in Ägypten, tadellos organisiert. Alles verlief reibungslos und wir als Teilnehmer wurden mit einem perfekten Programm am Symposium und einigen unvergesslichen Nebenveranstaltungen bedient. Hier sind einige meiner Beobachtungen:

  • Mit seinen rund 90 Millionen Einwohnern und seiner starken und einzigartigen Kultur ist Ägypten ein faszinierendes Land. Nach schwierigen Jahren nach der Revolution im Jahr 2011 und dem Machtwechsel zum jetzigen Präsidenten Abdel Fattah Al-Sisi scheinen sich die Dinge zu stabilisieren und die Wirtschaft hat begonnen, sich zu erholen.
  • Trotz einer soliden BIP-Wachstumsrate von etwa 4 % steht Ägypten vor grossen Herausforderungen wie starkem Bevölkerungswachstum (1,8 %), hoher Arbeitslosigkeit (40 % Jugendarbeitslosigkeit), zweistelliger Inflation (12 %), ständig wachsender Staatsverschuldung (derzeit 95 %), großem Handelsdefizit, Mangel an Devisen usw. usw. Kein schönes Bild. Aber nachdem der IWF einem 12-Milliarden-USD-Kredit für 2016-2019 zugestimmt hat und dank einer sehr wirtschaftsorientierten Agenda mit verschiedenen Reformen der aktuellen Regierung, gibt es wichtige Geschäftsmöglichkeiten für die richtige Art von Produkten, Unternehmen und unternehmerischer Einstellung.
  • Für Ägypten ist die Schweiz die 16. wichtigste Importland (meist Pharma und Maschinen) und der 21. wichtigste Exportpartner (meist Textilien). Insgesamt liegt das Handelsvolumen bei etwa 1 Milliarde CHF, was bemerkenswert ist.
  • Kairo, diese ständig wachsende, pulsierende 20-Millionen-Metropole und Gastgeber unseres Symposiums, lässt sich bei einem so kurzen Besuch definitiv nicht erfassen. Nur mit dem Bus vom Flughafen zum Hotel, Hotel zum Restaurant etc. zu fahren, reicht nicht aus. Aber man ist überwältigt von den Eindrücken. Von der puren Grösse und der pulsierenden Energie Kario’s, dem ständigen Verkehrschaos, dem omnipräsenten Müll und natürlich allen Menschen, Tiere und den lebhaften Strassenszenen, die man überall beobachten kann.

  • Selbst nach meinen vielen beruflichen und persönlichen Erfahrungen in den meisten Regionen der Welt, ist mir das Geschäftsgebaren in Nordafrika und dem Nahen Osten im Grunde unbekannt. Stark verankert in seiner Religion, seiner einzigartigen Kultur und seinem Lebensrhythmus ist die Art und Weise, wie man in Ägypten Geschäfte macht, einzigartig. Wie immer, wenn ich geschäftlich ins Ausland reise, habe ich versucht, mich vorzubereiten, indem ich “Kiss, Bow or Shake Hands” gelesen habe, ein großartiges Buch von Terry Morrison und Wayne Conaway, das spannende Einblicke in die Geschäftskultur in mehr als 60 Ländern gibt. Sie wissen schon, Dinge wie “nicht die linke Hand benutzen”, “Schuhe ausziehen”, “Frauen keine Blumen schenken” und ganz allgemein, was man sagen oder tun sollte oder – was ebenso wichtig ist – was man nicht sagen oder tun sollte.
  • Die Dinge vor Ort auf dem 2-tägigen Textilmaschinen-Symposium erwiesen sich jedoch als sehr unkompliziert. Ich empfand die ägyptischen Geschäftsleute im Allgemeinen als sehr freundlich, zuvorkommend und ziemlich einfach im Umgang. Unter den Gästen des Symposiums gab es eine ziemliche Vielfalt, die von sehr westlich geprägten bis hin zu eher arabisch aussehenden und handelnden Gegenübern reichte. Auch die Englisch- oder Französischkenntnisse reichten von perfekt bis nicht existent.
  • Auf der anderen Seite war ich erstaunt, wie viele Ägypter Deutsch sprechen. Frauen sind übrigens generell bedeckt. Wenn nicht, könnte es sogar sein, dass Sie mit einer koptischen Christin sprechen (Kopten machen etwa 10% der ägyptischen Bevölkerung aus). Was allen Ägyptern (und Syrern, die in der ägyptischen Textilbranche immer präsenter werden) gleich zu sein scheint, sie haben alle ein starkes Verhandlungsgeschick und wissen genau, was sie wollen. Und sie rauchen gerne! Überall.
  • Wenn Sie in Ägypten Geschäfte machen, seien Sie geduldig, rechnen Sie damit, viel Zeit zu investieren und hoffen Sie nicht auf sofortigen Erfolg. In jedem eingehenden Geschäftsgespräch, das ich hatte, erfuhr ich mindestens so viel über das soziale Leben, die Familie, die Geschichte, Ägypten und die Persönlichkeit des Gegenübers wie über das konkrete Geschäftsthema. Mehr als einmal wurde ich für den nächsten Besuch im Land in das Privathaus eines Geschäftspartners eingeladen. So erklärte z.B. ein neuer ägyptischer Bekannter voller Stolz, dass er ein großartiger Koch sei und es ihm eine Ehre wäre, wenn er für mich in seinem Privathaus in Kairo seine hervorragenden Meeresfrüchte und Nudeln kochen dürfte. Es scheint immer eine persönliche Note bei Geschäften in Ägypten zu geben. Das gefällt mir sehr gut. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass dies viel von seiner persönlichen Zeit und Engagement abverlangt. In der Regel kann man seine geschäftlichen Ziele nicht mit einem einzigen Besuch erreichen. Das heisst, vielleicht komme ich tatsächlich bald dazu, die Meeresfrüchte-Pasta zu probieren!
  • Was das Symposium betrifft (siehe Bild unten): Ich empfand die Anwesenheit von etwa 200 ägyptischen Geschäftsleuten an jedem Tag als beeindruckend. Ägypten hat eine traditionell starke Textilindustrie. Es ist vor allem für seine Weltklasse-Baumwolle bekannt. Und bei Ägyptens aktuellem Bedarf an Wirtschaftswachstum und mehr Devisen, sind zusätzliche Exporte ein wichtiger Erfolgsfaktor (zusammen mit mehr Tourismus, mehr Einnahmen aus dem Suezkanal und aus Rohstoffen). Und innerhalb der Exporte spielt der Textilsektor eine Schlüsselrolle. Dies spiegelte sich in der Anzahl und der Qualität der ägyptischen Besucher an diesem Symposium wider.
  • Wie in vielen Bereichen der Wirtschaft ist das ägyptische Militär auch in der Textilbranche ein starker Akteur. Seien Sie sich also bewusst, viele der grossen Aufträge werden vom Militär/der Regierung in Auftrag gegeben und unterliegen ganz bestimmten Entscheidungsprozessen (z.B. öffentliche Ausschreibungen).
  • Wie überall auf der Welt ist der wohl wichtigste Schlüssel zum Erfolg für die Schweizer Textilmaschinen-Exporteure in Ägypten die Wahl ihres lokalen Partners/Agenten. Das Symposium war eine grossartige Gelegenheit für die Schweizer, alte und/oder neue Agenten zu treffen und ihre Beziehungen zu vertiefen.
  • Es gibt eine lange Tradition zwischen der Schweizer Textilmaschinenindustrie und Ägypten (z.B. exportierten die Gebrüder Maag 1938 ihre erste Maschine nach Ägypten) und ich habe das Gefühl, dass die ägyptische Textilindustrie trotz des schwachen ägyptischen Pfunds und des meist höherpreisigen, qualitativ hochwertigen Angebots der Schweizer Produkte stark von den Schweizer Textilmaschinen profitieren kann. Und es scheint, dass ich nicht der einzige bin, der so denkt: Nachdem ich mit einigen der teilnehmenden CEOs oder Head of Sales von Unternehmen wie Rieter, Stäubli, Saurer, Amsler, SSM, Jakob Müller, Benninger und viele mehr, alle schienen zufrieden und es wurden tatsächlich neue Geschäfte abgeschlossen.
  • Insgesamt denke ich also, dass dieses Swissmem-Format eines jährlichen Symposiums der Schweizer Textilmaschinenindustrie in wichtigen, neuen Textilmärkten (letztes Jahr waren sie im Iran) ein effizienter Weg ist, um das Geschäft anzukurbeln.
  • Für mich war es eine spannenden und bereichernde Reise, an die ich mich noch lange erinnern werde. Erstens konnte ich die Ziele erreichen, die mir der CEO von Maag vorgegeben hat. Zweitens habe ich viel über Ägypten und die Textilmaschinenindustrie gelernt. Und drittens lernte ich eine sehr unterstützende, lustige, enthusiastische und kompetente Gruppe von Entscheidungsträgern der Schweizer Textilmaschinenindustrie und auch einige neue ägyptische Partner kennen.
  • Ein letzter Punkt: Ich war sehr beeindruckt von dem, was die Schweizer Textilmaschinenindustrie zu bieten hat. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unser kleines Land so viele hervorragende, innovative und oft weltweit führende Produkte in vielen Bereichen herstellen kann. Was die Schweizer Textilmaschinenindustrie zu bieten hat, können Sie hier nachlesen: FACTOR+

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